Philographien - No Sé (1992) |
Philographien |

1. Kapitel Seit früh zivil und hochversiert, war's darum klar, wer wen regiert. Schon immer ging es uns denn bestens, wir brachten die Kultur des Westens. Sie war'n es, die sich knechten liessen, wir hingegen Pracht verhiessen. Schaut, wir mussten doch so handeln, Ressourcen darf man nicht verschandeln. Und wisset, es waltet Gerechtigkeit, wenn uns der Himmel solch Macht verleiht. Ach, von Sklaven wird gesprochen? Schwamm drüber, wir haben nichts verbrochen. 2. Kapitel Arbeit wollt ihr, faules Pack? dann tut was, auf, hopp hopp, zack zack. Okay, wir zeigen euch wie's geht, damit auch später noch was steht. Hier sind Maschinen aus Okkasion, pflügt nun Felder zum Niedrigstlohn. Oh, selbstverständlich, hier nehmt's Geld, was kostet schon die ganze Welt? Und die Zinsen, liebe Leute, die vergessen wir, für heute... Seht, wir fordern nicht mal viel, wichtig ist uns nur das Ziel. Welches, wollt ihr gerne wissen? Nichts von Sache, kann man missen. |
3. Kapitel Time is money, we want it back, drum sehnlichst, schickt uns schnell nen Check. Bitte? Was geht so nicht weiter? Das ist aber gar nicht heiter. Denn für hehren Gütersegen, müsst ihr euch schon mehr bewegen. Wie? Schulen braucht ihr Ungelernten? Ab, ab, die Finger wund beim Ernten. Gut, gut, wir wolln ja nicht so sein und stecken nochmals etwas rein. Anbei noch günstig einen Posten, moderne Waffen, wenig Kosten. 4. Kapitel Was ist? Ärztlich Hilf und Wunddrainagen? Pillen, Pulver und Bandagen? Anstatt noch mehr Wald zu roden, verliert das Fass nun seinen Boden. Moment, da liesse sich was drehn. Mit Drogen wird es weitergehn. So gebt uns gleich das Rohprodukt, auf daß ihr bald sehr Gutes schluckt. 5. Kapitel Und was soll jetzt dies schon wieder? Hunger, Skorbut, Zitterglieder? Also, mit Verlaub, gut Frau: Das ist unter aller Sau. |
Ständig betteln und nichts leisten, wolln sie sich zudem erdreisten, zu behaupten, Babies hungern. Dann hört doch auf nur rumzulungern. Ne, ne, Madame, das ist ihr Bier. Daheim die Krise, weg von hier. Und sehn sie's mal durch unsre Brille: Probleme löst allein der Wille, Drum frisch ans Werk und wohl zur Tat, nur damit gewinnt sich eine Saat. Ach, bezüglich Ihrer Schulden, lässt sich kaum mehr Zeit zu dulden. Zu ihrem und zu unsretn Glück, begehrt man eilig es zurück. Noch lange hallt's in ihren Ohren: No sé, no sé, ihr dummen Mohren. 6. Kapitel Fort sind wir, die Koloniellen, eignen Acker zu bestellen. Rezession erst einmal dämpfen, Ökounken niederkämpfen. Neuinvestment und Verkauf, alle Aktien steigen auf. Nun, das tolle Wirtschaftswunder, erinnert uns an alten Plunder. Fast beinahe wär's vergessen, da drüben ham'n wir was besessen. |
7. Kapitel Doch welch Schreck und gross Entsetzen, hört man dort nicht Messerwetzen? Der dritten Erde Völker beben, ganze Heere sich erheben. Fanatisch künden böse Blender, zu erobern unsre Länder. Gierig sie schon rüberschaun, meinst du, werden sie sich traun? Unselig Frucht, sie wird gedeihen, ärmsten Menschen Kraft verleihen. Blödsinn, bloss nicht ängstlich ob der Glut. Was kümmert uns Primatenwut? Die kommen nie, es ist zu weit. Vor denen sind wir gut gefeit. Ansonsten die Vereint' Nationen, verhängen drastische Sanktionen, Aber was geschieht, gesetzt den Fall, es gäbe dennoch einen Knall? Was ist denn, wenn der Mob doch rennt, und Haus und Hof darniederbrennt? Krieg gen unsre Waffen? Null Stich. Hm, die besitzen sie zwar auch, wie ärgerlich. Meint ihr, ob wir winseln werden, um göttlich Gnaden hier auf Erden? Hoffe, es heisst dann nicht lakonisch: "No sé...", das wäre zu ironisch. |